Berechnungsgrundlagen

Durch die Einführung immer komplexerer Normen ist es dem Metallbauer heute fast unmöglich geworden bereits während der Kalkulation die Profile und Gläser festzulegen, die später auch einer statischen Überprüfung standhalten sollen.

Ein preisgünstiges Profil oder Glas ist vielleicht statisch nicht ausreichend, wohingegen der statisch sichere Querschnitt nicht mehr wirtschaftlich ist. Woher soll der Metallbauer diese wichtigen Informationen bekommen?

Einerseits müsste man bereits vor der Angebotsabgabe die Ingenieurleistung eines Statikers beanspruchen, um eine zuverlässige Aussage über die gewählten Querschnitte treffen zu können, andererseits möchte man sich jedoch die Kosten dieser Dienstleistung ersparen, solange man nicht den Auftrag für das Projekt erhalten hat.

Das LogiKal® Statikmodul soll dazu dienen, genau diese Lücke zu schließen, indem es die Vorbemessung von Stäben und Gläsern in Türen, Fenstern und Fassaden übernimmt. Hierbei können für Stäbe beliebige Werkstoffe (Aluminium, Stahl, Holz, etc.) und für Gläser verschiedene Glastypen (Float, ESG, TVG, VSG, etc.) berücksichtigt werden.

Stabstatik für Türen, Fenster und Fassaden

Wie auch in anderen Programmteilen erfasst das Statikmodul die in der Praxis häufig vorkommenden Situationen. Zur statischen Beurteilung von Sonderkonstruktionen ist daher die Beratung durch einen Experten dennoch unerlässlich.

Im Folgenden wird beschrieben, welche Vorraussetzungen der statischen Berechnung in LogiKal® zugrunde liegen. Diese Anmerkungen sind zum Teil recht trivial, sie können aber auch eine wichtige Entscheidungsgrundlage darstellen, ob das in LogiKal® verwendete Verfahren in einem speziellen Fall sinnvoll angewendet werden darf oder nicht.

Grundlagen der Berechnungsmethode

Das Programm ist in der Lage Einfeld- und Mehrfeldträger nach der Elastizitätstheorie 1. Ordnung zu berechnen. Der Grad der statischen Unbestimmtheit spielt dabei keine Rolle.

Es werden ausschließlich Vertikalelemente unter hauptsächlich Horizontallasten (Wind) berücksichtigt. Dachelemente können daher nicht mit diesem Modul berechnet werden.

Für Tür- und Fensterelemente werden Sprossen und Riegel als Einfeldträger erfasst, für Fassadenpfosten ist die Anzahl der Felder und deren Spannweite dagegen beliebig.

DEStatik029

Das Programm kennt „Gelenkige Lager“ (Normalkraft N¹0, Querkraft Q¹0, Biegemoment M=0) und „Verschiebliche Lager“ (Normalkraft N=0, Querkraft Q¹0, Biegemoment M=0), Einspannungen (Normalkraft N¹0, Querkraft Q¹0, Biegemoment M¹0) hingegen werden nicht berücksichtigt. Abbildung 1 beschreibt die Lagerdefinition genauer. Das untere Lager ist automatisch immer gelenkig, das obere verschieblich. Alle weiteren Zwischenauflager sind frei definierbar.

Profil- oder Pfostenstöße werden als biegesteif vorausgesetzt, d.h. Momentengelenke oder Drehfedersteifigkeiten werden vernachlässigt. Es ist daher genau zu prüfen, ob der verwendete Stoßtyp diese Vorraussetzung erfüllt oder nicht. Falls nicht, kann man immer noch auf der sicheren Seite liegend den Stoß an die Stelle eines Momentennullpunktes setzen. Diese kann man leicht aus dem Verlauf Momentenlinie ermitteln.

DEStatik030

Aus den Vorgaben der Lastannahmennorm ergibt sich eine maßgebende Flächenlast, die aus den Lastfällen Winddruck oder Windsog resultiert. Um von der Flächenlast zur Linienlast des Trägers zu gelangen, verwendet das Programm die so genannten Lasteinzugsbreiten.

Für alle Mehrfeldträger werden grundsätzlich rechteckige Lasteinzugsflächen angesetzt. Abbildung 2a zeigt eine Fassade, auf die eine über die Höhe und Breite konstante Flächenlast wirkt. Im konkreten Fall ergibt sich die Linienlast A auf Stab 1, indem die Flächenlast jeweils mit dem halben Abstand zum nächsten Stab multipliziert wird: Im Feld 1.1 beträgt der Faktor B1/2, im Feld 1.2 B1/2 und im Feld 1.3 (B1+B2)/2.

Für Stab 2 und die Linienlast B sind die Lasteinzugsbreiten rechts und links des Stabes zu berücksichtigen: Feld 2.1 und Feld 2.2 haben hier den gleichen Faktor, nämlich (B1+B2)/2.

Stab 3 beinhaltet noch eine Besonderheit. Das Lager zwischen Feld 3.2 und 3.3 liegt nicht auf Höhe eines Riegelanschlusses. Um nicht innerhalb von Feld 3.2 verschiedene Lasten berechnen zu müssen wird die größte im Feld vorkommende Lasteinzugsbreite über das komplette Feld angesetzt. Somit ergeben sich folgende Faktoren: Feld 3.1 (B2+B3)/2, Feld 3.2 und Feld 3.3 jeweils (B1+B2+B3+B4)/2

Bei der Lastermittlung eines Trägers wird also angenommen, dass alle Linienlasten feldweise konstant sind, d.h. es gibt keine Lastsprünge zwischen zwei Lagern, lediglich am Lager direkt ist dies möglich. Hierdurch kann es vorkommen, dass die angesetzte Last größer ist als theoretisch notwendig. In unseren Beispiel wäre das der Bereich D auf Stab 3, der in C enthalten ist, obwohl die Fläche bereits auf Stab 2 im Bereich B berücksichtigt ist. Diese Vereinfachung ist jedoch aus statischer Sicht auf der „sicheren Seite“.

DEStatik031

Für alle Einfeldträger ergibt sich die Lasteinzugsfläche aus Trapezen bzw. Dreiecken. Abbildung 2b zeigt ein Fensterelement, auf die eine über die Höhe und Breite konstante Flächenlast wirkt. Da B1 kleiner L ist, errechnet sich die maximale Ordinate der Trapezlinienlast auf Stab 1 (Bereich A), indem die Flächenlast mit B1/2 multipliziert wird. Für Stab 2 müssen unterschiedliche Linienlasten (Bereich B: Trapez, Bereich C: Dreieck) angesetzt werden, da die Feldbreiten B1 und B2 unterschiedlich sind. Hierbei wird die Trapezlinienlast (Bereich B) analog zu Stab 1 (Bereich A) berechnet. Da B2 größer L ist, errechnet sich die maximale Ordinate der Dreiecklinienlast auf Stab 2 (Bereich C), indem die Flächenlast mit L/2 multipliziert wird. Die Dreiecklinienlast auf Stab 3 (Bereich D) wird analog zu Stab 2 (Bereich C) ermittelt.

LogiKal® untersucht den Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit, also die Durchbiegungen eines Systems. Dieser ist in der Praxis in der Regel für die Bemessung maßgebend, da die Verformungen oft vor den Spannungen überschritten werden. Der Grenzzustand der Tragfähigkeit hingegen wird nicht berücksichtigt, d.h. es werden keinerlei Tragfähigkeits- oder Stabilitätsnachweise, wie z.B. Knicken oder Biegedrillknicken, geführt. Daher ist es ausreichend die ermittelten Lasten 1,0-fach anzusetzen, sie also nicht durch Teilsicherheitsbeiwerte zu beaufschlagen.

Windlastannahmen gemäß DIN 1055 Teil 4 (März 2005)

Allgemeines

Die Ermittlung der maßgebenden Windlast erfolgt gemäß den Festlegungen der DIN 1055-4:2005-03 und den Berichtigungen hierzu in DIN 1055-4 Ber 1:2006-03.

LogiKal® beschränkt sich bei der Ermittlung der Windlasten ausschließlich auf nicht schwingungsanfällige Tragwerke. Zur Beurteilung der Schwingungsanfälligkeit kann Abschnitt 6.2 der Norm herangezogen werden. Hierbei können Wohn-, Büro- und Industriegebäude bis 25 m Höhe als nicht schwingungsanfällig betrachtet werden. Der anzusetzende Böengeschwindigkeitsdruck für nicht schwingungsanfällige Bauwerke und Bauteile wird dann gemäß Abschnitt 10 berechnet.

Böenerregte Schwingungen oder sonstige dynamische Windwirkungen und aeroelastische Instabilitätseffekte gemäß Abschnitt 6.1 werden ebenfalls nicht berücksichtigt.

Auch Abminderungen aufgrund der Betrachtung vorübergehender Zustände, wie z.B. Bauzuständen, werden nicht einbezogen.

Der Winddruck auf die Außenflächen wird nach Formel (4) in Abschnitt 8 ermittelt: we = cpe ´ q(ze)

Ein Innendruck wird laut Abschnitt 12.1.8 nicht angesetzt.

Vereinfachte Annahmen für den Böengeschwindigkeitsdruck bei Bauwerken bis zu einer Höhe von 25 m über Grund

In den meisten Fällen ist es ausreichend für die Berechnung des Geschwindigkeitsdrucks q das vereinfachte Verfahren nach Abschnitt 10.2 der Norm zu verwenden. Hierzu wird die Windzone nach Anhang A und die Geländekategorie nach Anhang B festgelegt. Laut Anhang B werden 4 Geländekategorien und 2 Mischprofile, Küste und Binnenland, unterschieden. Letztere beschreiben den Übergang zwischen den Geländekategorien I und II bzw. II und III. Da große Gebiete mit gleichförmiger Bodenrauhigkeit in Deutschland selten vorkommen, werden in der Regel die Mischprofile verwendet, wobei das Mischprofil Küste auch für einen 5 km breiten Streifen landeinwärts und für die Ostseeinseln gilt. Für Gebäude bis zu einer Höhe von 25 m über Grund darf dann der Geschwindigkeitsdruck nach Tabelle 2 der DIN 1055-4 ermittelt werden. Dieser wird hierbei als konstant über die Gebäudehöhe angenommen.

Höhenabhängiger Böengeschwindigkeitsdruck im Regelfall

Für Bauwerke, die höher sind als 25 m, wird der Geschwindigkeitsdruck q nach Abschnitt 10.3 der Norm berechnet. Als Regelfall werden die drei Profile des Böengeschwindigkeitsdruckes q(z) unterschieden, die in den Formeln (10) bis (17) definiert werden: Binnenland (Mischprofil der GK II/III), küstennahe Gebiete bzw. Inseln der Ostsee (Mischprofil der GK I/II) und Inseln der Nordsee (GK I). Alternativ hierzu können auch die noch genaueren Werte des Böengeschwindigkeitsdruckes q nach Anhang B verwendet werden. Der Geschwindigkeitsdruck qref der mittleren Referenzgeschwindigkeit vref wird hierbei jeweils gemäß Anhang A ermittelt.

Aerodynamische Beiwerte

Das Programm berechnet die maßgebenden aerodynamischen Beiwerte nach Abschnitt 12 der DIN 1055-4. Die Abhängigkeit der Außendruckbeiwerte cpe von der Lasteinzugsfläche A wird nach Formel (18) und Bild 2 berücksichtigt. D.h. LogiKal® prüft, ob die Fläche zwischen den Grenzwerten von 1 m² und 10 m² liegt und ermittelt den entsprechenden Wert gegebenenfalls durch Interpolation.

Bei der Ermittlung der Außendruckbeiwerte cpe werden ausschließlich vertikale Wände von Gebäuden mit rechteckigem Grundriss gemäß Abschnitt 12.1.2 betrachtet. Hier wird nochmals darauf hingewiesen, dass Dachkonstruktionen nicht erfasst werden.

Die Außendrücke werden über die Baukörperhöhe h gestaffelt nach Bild 3 in DIN 1055-4 angesetzt. Es werden die drei folgenden Fälle unterschieden, wobei b abhängig von der Windrichtung die Breite der betrachteten Baukörperseite ist:

h £ b: In diesem Fall wird der Geschwindigkeitsdruck q(ze) als konstant über die komplette Höhe angenommen, also q(ze) = q(h). b < h £ 2b: Bis ze = b wird q(b) angesetzt, darüber q(h). h > 2b: Im Bereich ze £ b ist q(ze) = q(b), im Bereich ze ³ h-b ist q(ze) = q(h), dazwischen wird linear interpoliert.

Weiterhin unterscheidet die DIN 1055-4 in Bild 4 maximal 5 Bereiche A, B, C, D und E zur Ermittlung der Außendruckbeiwerte cpe. Bereich D befindet sich auf der Luvseite (Winddruck), Bereich E auf der Leeseite (Windsog) des Baukörpers. Die Bereiche A bis C bilden die Windsogverteilung auf den windparallelen Wänden ab. Abhängig von der Geometrie des Gebäudes können die Bereiche B und C auch entfallen.

Abbildung 3 zeigt eine typische Windlastverteilung über die Höhe und Breite einer Bauwerksseite. Die Windlast ergibt sich aus we = cpe ´ q(ze). Abstufungen in der Breite werden von den unterschiedlichen Außendruckbeiwerten cpe für die Bereiche A bis C hervorgerufen, Abstufungen in der Höhe durch die Geschwindigkeitsdruckverteilung q(ze).

Die Außendruckbeiwerte cpe,1 und cpe,10 für vertikale Wände rechteckiger Gebäude sind in Tabelle 3 der Norm zu finden. Sie sind dort für h/d £ 0,25, h/d =1 und h/d ³ 5 angegeben. Zwischenwerte von h/d werden hierbei linear interpoliert. Aerodynamische Beiwerte für Innendruck cpi werden bei geschlossenen Baukörpern nach Abschnitt 12.1.8 von LogiKal® nicht berücksichtigt.

Windzonen

Die Geschwindigkeitsdrücke qref der einzelnen Windzonen der Bundesrepublik Deutschland sind in Bild A.1 im Anhang

A der Norm abgedruckt. Sobald eine Windzone festgelegt wurde, wählt LogiKal® automatisch den zugehörigen Geschwindigkeitsdruck qref aus. Falls der Bauwerkstandort zwischen 800 m und 1100 m über NN liegt, wird auch ein entsprechender Erhöhungsfaktor berücksichtigt. Höhen oberhalb von 1100 m sowie Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge werden durch die Berechnung nicht erfasst.

Geländekategorien

In Anhang B der DIN 1055-4 sind die 4 Geländekategorien und 2 Mischprofile (Küste und Binnenland) in Tabelle B.1 definiert. Auf der sicheren Seite liegend darf für küstennahe Gebiete sowie Nord- und Ostseeinseln Geländekategorie I und für das Binnenland Geländekategorie II angenommen werden. Die Festlegung der anzuwendenden Geländekategorie obliegt grundsätzlich dem Programmbenutzer. Der Böengeschwindigkeitsdruck q wird dann wieder automatisch von LogiKal® gemäß Tabelle B.2 ermittelt. Isolierte Hügel oder Geländestufen, die durch den Topographiebeiwert ct berücksichtigt werden, sind durch das Programm nicht erfasst.

Direkte Eingabe der Windlast

Unabhängig von nationalen Windlastnormen können Windprofile auch direkt eingegeben werden. Hierzu fragt das Programm den Winddruck- oder Windsogwert und die dazugehörigen Höhen über Grund ab.

Ergebnisse

ENStatik031

Biegelinie

Dies ist die Verformungslinie des Trägers unter der berechneten Last. Sie ist maßgebend für die Bemessung. Durchbiegungsbeschränkungen sind durch den Benutzer einzugeben. In der Regel sind diese Werte von der gewählten Verglasung abhängig und sind daher beim Glashersteller zu erfragen. Häufig vorkommende Grenzwerte sind hier L/300 bzw. 8mm.

Da die Verformung indirekt proportional zum Flächenmoment 2. Grades (Trägheitsmoment) Ix ist, kann LogiKal® somit den erforderlichen Ix-Wert berechnen bzw. entscheiden, ob der vorhandene Ix-Wert eines Profils statisch ausreichend ist oder nicht.

Das Statikmodul teilt den Gesamtstab in einzelne Teilfelder der Länge Lm auf, die sich jeweils zwischen zwei Lagern befinden. Auf jedes Stabfeld m wirkt eine konstante Windlast wm. Ein Stabfeld m kann wiederum durch Riegel i in einzelne Glasfelder der Länge Lm,n aufgeteilt sein.

Zunächst prüft das Programm, ob unter der Einwirkung wm im Stabfeld m (zwischen zwei Lagern) die maximal vorhandene Durchbiegung max vm die Grenzwerte nicht überschreitet. In einem zweiten Schritt prüft LogiKal®, ob die maximal vorhandene Durchbiegung in den einzelnen Glasfeldern m,n (zwischen zwei Riegeln i und i+1) die Grenzwerte einhält. Hierzu werden zunächst die Knotenpunkte i zur Sehnenfigur (rote Linien) verbunden. Die Sehnenfigur stellt die Bezugslinie für die relativen Verschiebungen (Durchbiegungen) der Glaskanten dar. Danach wird die maximal vorhandene relative Verschiebung im Glasfeld max vm,n ermittelt, indem die Verschiebung der Sehenfigur (rot) von der tatsächlichen Verschiebung der Biegelinie (grün) subtrahiert wird.

In den Ausdrucken wird dann auch angezeigt, welche der beiden Größen, Stabfeld- oder Glasfelddurchbiegung, maßgebend für die Bemessung ist.

Momentenlinie

Stellt den Biegemomentenverlauf innerhalb eines Stabes dar. An den Nullstellen der Momentenlinie können auch nicht biegesteife Profilteilungen vorgenommen werden, ohne das dies einen Einfluss auf die berechneten Ergebnisse hat. Aus der Momentenlinie lassen sich auch die vorhandenen Spannungen im Stab ermitteln. Die Spannungen werden allerdings nicht zur Bemessung verwendet. Hierfür ist ausschließlich die Biegelinie maßgebend.

Querkraftlinie

Die Querkraftlinie zeigt den Querkraftverlauf über den Träger an. Die Nullstellen der Querkraftlinie sind Orte an denen die Biegemomentenlinie ein Maximum oder Minimum hat.

Auflagerkräfte

Aus der Addition der direkt rechts und links neben dem Lager wirkenden Querkräfte ergibt sich die Auflagerkraft. Sie kann verwendet werden, um z.B. Anker zu bemessen. Allerdings ist zu beachten, dass hierzu die berechneten Lagerreaktionen eventuell mit einem Teilsicherheitsfaktor gF für die Tragfähigkeitsbemessung multipliziert werden müssen.

 

Glasstatik

Allgemeine Anmerkungen

Obwohl immer von „Glasscheibe“ die Rede ist, handelt es sich statisch gesehen hier um eine „Glasplatte“. Bei einer Scheibe wirken nämlich die Lasten parallel zur ebenen Fläche, bei einer Platte senkrecht dazu.

Gläser werden daher vom Programm als rechteckige, linienförmig gelenkig gelagerte Platten nach der Kirchhoff’schen Plattentheorie berechnet. Diese besagt, dass die Spannungen in der Mittelfläche Null sein müssen und Schubverzerrungen (Querkraftverformungen) nicht berücksichtigt werden.

Sobald Glasdurchbiegungen größer werden als die Glasscheibendicke, führt dies dazu, dass die so genannte Membranwirkung signifikant aktiviert wird. Diesen günstigen Effekt der geometrischen Nichtlinearität vernachlässigt das Berechnungsverfahren auf der sicheren Seite liegend.

Glasbemessung gemäß Technische Regeln für die Verwendung von linienförmig gelagerten Verglasungen (TRLV) 8/2006

Allgemeines

Die Glasbemessung in LogiKal® beschränkt sich auf die häufig vorkommenden Einbaubedingungen, die in den TRLV beschrieben sind. Die wichtigsten Vorraussetzungen werden nachfolgend nochmals zusammengefasst dargestellt.

Es werden nur vierseitig liniengelagerte Rechteckplatten unter konstanter Flächenlast erfasst. Bei Gläsern, die von der Rechteckform abweichen, wird automatisch das umschriebene Rechteck der Glasfläche zur Berechnung herangezogen, was in der Regel genügend genau ist. Falls die Flächenlast aufgrund der Windlastermittlung einen Sprung innerhalb einer Glasfläche aufweist, wird die größte Last über die gesamte Fläche als konstant angenommen.

Die statische Vorbemessung für Gläser erfasst ausschließlich Vertikalverglasungen mit einer Neigung kleiner oder gleich 10° nach Abschnitt 1 der TRLV. Diese Gläser wirken außerdem weder sichernd gegen Absturz noch sind sie begeh- oder betretbar. Dachverglasungen können folglich nicht mit dem Glasstatikmodul bemessen werden.

Das Programm unterscheidet die folgenden Glasarten gemäß Abschnitt 2.1 der TRLV: Spiegel- oder Floatglas (SPG), Gussglas, Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG), Teilvorgespanntes Glas (TVG) und Verbund-Sicherheitsglas (VSG).

Bei diesen Glasarten wird für die weitere Berechnung ein Elastizitätsmodul E = 70.000 N/mm² und eine Querdehnzahl m =0,23 angenommen (siehe Abschnitt 2.2 der Richtlinie).

Eine statische Berechnung der Gläser nach TRLV setzt auch voraus, dass die Durchbiegung der Auflagerprofile 1/200 der auf zu lagernden Scheibenlänge bzw. 15 mm nicht überschreitet. Diese Bedingung wird bei der Profilbemessung bereits überprüft, indem das Programm als Grenzwerte für die Durchbiegung der Glaskante automatisch L/300 bzw. 8 mm vorschlägt.
Einwirkungen

Die TRLV verwendet das so genannte globale Sicherheitskonzept. Hierbei werden die Einwirkungen ohne Ansatz von Teilsicherheitsbeiwerten (gF = 1,0) direkt aus den entsprechenden Normen, in Deutschland also der DIN 1055, ermittelt und einem zulässigen Grenzwert gegenübergestellt. Dieser beinhaltet dann bereits alle Sicherheitszuschläge.

In der TRLV sind daher die zulässigen Biegezugspannungen und Durchbiegungen definiert, die bei 1,0-fachen Einwirkungen eingehalten werden müssen.

Windlast nach DIN 1055-4:2005-03

Die Windlast wird analog zur Stabstatik nach DIN 1055-4:2005-03 ermittelt. Die Ausführungen in Abschnitt 1.2 dieses Handbuchs gelten genauso für die Glasstatik.

Klimatische Einwirkungen für Isoliergläser nach TRLV:2006-08

Klimatische Einwirkungen werden bei Isolierverglasungen durch den resultierenden isochoren Druck p0 nach Abschnitt 4.2, Tabelle 1 der TRLV berücksichtigt. Erhöhungen dieser Werte aufgrund von besonderen Temperaturbedingungen am Einbauort gemäß Anhang B der TRLV werden nicht vorgenommen.

Die anzusetzende Klimalast und die Lastverteilung der Windlast auf die innere und äußere Isolierglasscheibe werden laut Anhang A der TRLV ermittelt.

Standsicherheits- und Durchbiegungsnachweise

Bei den Durchbiegungs- und Spannungsberechnungen wird für Einzelscheiben aus VSG ein günstig wirkender Schubverbund der Scheiben genauso wenig berücksichtigt wie die Schubkopplung von Isolierglasscheiben über den Randverbund. Bei Vertikalverglasungen aus Isolierglas mit VSG wird auch der Grenzzustand des vollen Schubverbunds untersucht.
Spannungsnachweis

Die zulässigen Biegezugspannungen nach Abschnitt 5.2 der TRLV sind dort in Tabelle 2 definiert. Bei einer Überlagerung von Einwirkungen (z.B. Wind- und Klimalast) werden diese Werte automatisch um 15 % erhöht. Für Vertikalverglasungen aus Float- oder Spiegelglas (SPG) mit einer Glasfläche kleiner oder gleich 1,6 m² sogar um 25%.

Durchbiegungsnachweis

Der Durchbiegungsnachweis ist in Abschnitt 5.3, Tabelle 3 der TRLV beschrieben. Für den vom Glasstatikmodul untersuchten Fall einer vierseitig gelagerten Vertikalverglasung sind dort keine Anforderungen definiert, allerdings sind die Angaben des Isolierglasherstellers zu beachten. Die Vorgabewerte des Programms betragen 1/300 der kürzeren Glaskante oder 8 mm. Gegebenenfalls können diese vom Benutzer jederzeit angepasst werden.

Nachweiserleichterungen für Vertikalverglasungen

Unter bestimmten Voraussetzungen ist es nicht notwendig, einen vollständigen Spannungs- und Durchbiegungsnachweis für Vertikalverglasungen zu führen. Diese sind nachfolgend aufgeführt:
Allseitig gelagerte Isolierverglasung aus SPG, TVG oder ESG
Fläche £ 1,6 m²
Scheibendicke ³ 4 mm
Differenz der Scheibendicken £ 4 mm
Scheibenzwischenraum £ 16 mm
Windlast £ 0,8 kN/m²
Einbauhöhe £ 20 m über Grund

In diesem Fall werden die Durchbiegungen und Spannungen zwar trotzdem von LogiKal® berechnet, im Ausdruck erscheinen beim Nachweis aber nur die obigen Bedingungen.